Saglikta Siddete Hayir

Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen in der Türkei: Prävalenz, Ursachen und Lösungen

Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen ist in der Türkei mit einer Prävalenz von 50–90 % eine Krise der öffentlichen Gesundheit. Diese Analyse betrachtet das Ausmaß der Gewalt, die Daten des Weißen Codes, den OECD-Vergleich, die Grundursachen und evidenzbasierte Lösungen.

16. Januar 2020
Dr. Emre Gecer
33 Min Lesezeit

Hallo Freunde,

heute wollte ich über Fälle von Gewalt im Gesundheitswesen in der Türkei schreiben. Dieses Thema ist längst kein internes Berufsproblem mehr, das nur unter Ärztinnen, Ärzten, Pflegekräften, Rettungsdienstpersonal, Sicherheitskräften oder Krankenhausangestellten diskutiert wird. Gewalt im Gesundheitswesen ist zu einer Krise der öffentlichen Gesundheit geworden. Sie betrifft den Zugang zur Versorgung, Wartezeiten in Krankenhäusern, die Zeit, die ein Arzt einem Patienten widmen kann, die Bereitschaft der Beschäftigten, im Beruf zu bleiben, und letztlich die Qualität der Versorgung, die wir alle erhalten [1], [2].

Wenn wir als Patientinnen oder Patienten ein Krankenhaus oder eine Notaufnahme betreten, tragen wir Schmerzen, Angst, Sorge und Unsicherheit mit uns. Das ist menschlich. Gleichzeitig arbeiten dort Menschen, die Hunderte von Patienten versorgen, schnelle klinische Entscheidungen treffen, unter Dienstmüdigkeit stehen und die Verantwortung tragen, keine Fehler zu machen. Wenn diese beiden angespannten Welten nicht richtig gesteuert werden, entsteht ein Konfliktfeld. Deshalb lässt sich Gewalt im Gesundheitswesen nicht auf “eine wütende Person verliert die Kontrolle” reduzieren. Es handelt sich um ein komplexes, vielschichtiges und systemisches Problem.

Die von mir untersuchte Quelle analysiert Gewalt gegen Gesundheitsbeschäftigte in der Türkei anhand von Prävalenz, Gewaltformen, Opfer- und Täterprofilen, Risikobereichen, White-Code-Daten, internationalen Vergleichen, Ursachen, Folgen für das System und Lösungsvorschlägen. Ich möchte diese Befunde in eine verständliche, aber umfassende Sprache für Leserinnen und Leser übertragen.

Was bedeutet Gewalt im Gesundheitswesen?

Gewalt im Gesundheitswesen ist nicht nur körperliche Gewalt. Dazu gehören Beleidigungen, Schreien, Drohungen, Erniedrigung, psychischer Druck, sexuelle Belästigung, Mobbing, Bedrohung mit Waffen oder Messern und im schlimmsten Fall tödliche Angriffe [2], [3]. Eine Pflegekraft anzuschreien, eine Sekretärin in der Notaufnahme zu bedrohen, einen Sicherheitsmitarbeiter anzugreifen, einem Arzt “ich finde dich” zu sagen, eine medizinische Entscheidung unter Druck zu setzen oder ein Rettungsteam am Einsatzort zu bedrängen, gehört zum selben Gewaltklima.

Die häufigste Form ist verbale und psychische Gewalt. Viele Studien berichten verbale Gewalt in Raten von über 80-90%; eine Studie nennt sogar 99,3% [2], [14], [16]. Etwa 89% der White-Code-Meldungen enthalten verbale Gewalt [16]. Das bedeutet: Sichtbar wird meist der körperliche Angriff in den Nachrichten; im Alltag ist aber oft die ständige Exposition gegenüber Beleidigung, Drohung, Geschrei und Demütigung die eigentliche Belastung.

Wie ernst ist die Lage in der Türkei?

Die Zahlen in der Quelle sind alarmierend. Berichte der Türkischen Ärztekammer geben die Gewaltprävalenz unter Gesundheitsbeschäftigten mit 50% bis 75% an [2]. In einer 2023 unter Ärzten durchgeführten Umfrage erklärten fast 90% der Befragten, sie hätten in ihrem Berufsleben mindestens einmal Gewalt durch Patienten oder Angehörige erlebt; 60% berichteten von Gewalt im letzten Jahr [2].

Die Studie der Lokman-Hekim-Gesundheitsstiftung fand, dass 69% der Ärzte und Gesundheitsbeschäftigten Gewalt erlebt hatten [11]. Eine landesweite Studie aus 2015 zeigte, dass 44,7% der Beschäftigten in den letzten zwölf Monaten Gewalt am Arbeitsplatz erfahren hatten [12]. Eine andere Studie berichtete, dass 83,3% der Ärzte im Laufe ihrer Karriere mindestens ein Gewaltereignis erlebt hatten [13].

Das wirkliche Bild kann noch schwerer sein, denn viele Vorfälle werden nicht gemeldet. Laut einer Umfrage der Türkischen Ärztekammer meldeten rund 66% der Ärzte, die Gewalt erlebt hatten, den Vorfall nicht [2]. Gründe sind der Glaube “es ändert sich ohnehin nichts”, Angst vor Vergeltung, bürokratische Hürden, Zeitmangel und die Normalisierung von Gewalt als Teil des Berufs [2], [10]. Offizielle Statistiken zeigen daher möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs.

Wo geschieht Gewalt am häufigsten?

Gewalt konzentriert sich auf bestimmte Bereiche. Notaufnahmen werden in fast allen Studien als Hochrisikobereiche identifiziert [2]. Mehr als die Hälfte der White-Code-Meldungen stammt aus Notaufnahmen; einige Studien nennen 54,7% bis 57,7% [16]. Das ist nachvollziehbar: Notaufnahmen verbinden Stress, Überfüllung, lange Wartezeiten, kritische Patienten, Triage-Entscheidungen, besorgte Angehörige und erschöpfte Teams.

Auch psychiatrische Dienste sind risikoreich [2]. Polikliniken, stationäre Abteilungen, OP-Bereiche, Rettungswagen und Außendienste tragen ebenfalls Risiken [4], [6]. Die Quelle stellt außerdem fest, dass Gewalt in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen häufiger ist als in privaten, wahrscheinlich wegen Patientendichte, Ressourcenknappheit, Wartezeiten und systemischem Druck [2], [10].

Das ist wichtig: Gewalt im Gesundheitswesen ist nicht nur ein Problem “wütender Angehöriger”. Überfüllte Krankenhäuser, kurze Untersuchungszeiten, Personalmangel, schwere Dienste, schlechte Informationsstrukturen und ständiger Patientendruck bereiten den Boden für Gewalt.

Wer ist betroffen?

Pflegekräfte und Ärzte gehören zu den am häufigsten betroffenen Gruppen [3]. Im ATTDER-Bericht 2023 machten Pflegekräfte 43,3% der Opfer und Ärzte 40,9% aus [3]. Andere Studien nennen höhere Raten bei Ärzten [4]. Auch Sicherheitskräfte, Rettungsdienstpersonal, Apotheker, Registrierungs- und Datenerfassungskräfte sowie andere Beschäftigte sind betroffen [3].

Die Geschlechterdimension ist komplex. Einige Studien zeigen, dass Frauen und Pflegekräfte häufiger Gewalt oder sexuelle Belästigung erleben [2]. Andere Befunde deuten darauf hin, dass männliche Ärzte häufiger körperlicher Gewalt ausgesetzt sein können [2]. In White-Code-Daten sind die meisten Opfer Frauen [16]. Daher müssen Gewaltform, Berufsrolle, Arbeitsbereich, Dienstzeit und Geschlecht zusammen betrachtet werden. Lösungen sollten rollenbezogen und geschlechtersensibel sein.

Wer übt Gewalt aus?

Täter sind überwiegend Patienten und Angehörige [2]. In vielen Studien werden Angehörige sehr häufig als Täter genannt; in einigen White-Code-Daten ist der Patient selbst der häufigste Täter [16]. Männer sind unter den Tätern deutlich überrepräsentiert; eine Studie nennt 79,7% männliche Täter [13].

Das Täterprofil erklärt jedoch nicht allein die Ursache. Panik, Trauer, Schmerz, Substanzgebrauch, psychische Erkrankung, geringe Gesundheitskompetenz, unrealistische Erwartungen, Frust über Wartezeiten, Unzufriedenheit mit Behandlung oder regelwidrige Forderungen können zum Ereignis beitragen [2], [10], [16]. Nichts davon rechtfertigt Gewalt. Aber ohne Verständnis für den Boden, auf dem Aggression entsteht, kann keine wirksame Prävention entwickelt werden.

Die tragischste Folge: Todesfälle

Die unakzeptabelste Folge ist der Tod von Gesundheitsbeschäftigten im Dienst. Die Quelle nennt Dr. Ersin Arslan, Dr. Kamil Furtun, Dr. Ekrem Karakaya und den Sicherheitsmitarbeiter Tuğrul Okudan als symbolische Beispiele [3], [6]. Diese Namen stehen nicht nur für einzelne Vorfälle; sie erinnern daran, dass Menschen, die zum Helfen da sind, selbst zu Zielscheiben werden können.

Gewalt gegen Gesundheitsbeschäftigte ist auch Gewalt gegen die Gesundheitsversorgung. Wenn ein Notarzt getötet wird, geht nicht nur ein Leben verloren; verloren geht auch die Versorgung, die dieser Arzt künftig Tausenden von Patienten hätte bieten können.

White Code: notwendig, aber nicht ausreichend

Die Türkei hat das White-Code-System eingerichtet, um Gewalt, Diebstahl oder sexuelle Belästigung gegen Gesundheitsbeschäftigte zu melden. Ziel ist schnelle Intervention, Information von Sicherheit und Verwaltung, Einleitung rechtlicher Verfahren und rechtliche Unterstützung [1], [16], [29]. Meldungen können über den Krankenhauscode 1111, die Hotline 113 oder das Webportal des Gesundheitsministeriums erfolgen [16].

Die Quelle betont jedoch, dass White Code meist reaktiv ist: Es dokumentiert und reagiert nach dem Ereignis, verhindert Gewalt aber nicht vor ihrem Entstehen [35]. Viele Beschäftigte zweifeln zudem daran, dass Meldungen zu wirksamen Ergebnissen führen [2]. Die White-Code-Meldungen stiegen von 7.751 im Jahr 2017 auf 46.274 im Jahr 2019, 72.158 im Jahr 2020 und 101.984 im Jahr 2021 [18]. Das kann sowohl einen realen Anstieg der Gewalt als auch eine stärkere Nutzung des Systems anzeigen. Wegen der Untererfassung bleibt die wahre Dimension jedoch unklar.

Die Grey-Code-Frühwarninitiative wird in der Quelle als Versuch beschrieben, vor dem Ausbruch der Gewalt einzugreifen [36]. Solche Systeme können hilfreich sein, ersetzen aber keine tieferen Reformen.

Ist es nur ein Kommunikationsproblem?

Kommunikation ist wichtig. Patienten zu informieren, Triage zu erklären, Unsicherheit zu reduzieren und in Krisen richtige Worte zu wählen, kann Spannung senken [2]. Die Quelle ist aber deutlich: Kommunikationsprobleme sind oft die sichtbare Folge tieferer systemischer Belastungen.

Wenn ein Arzt nur fünf Minuten pro Patient hat, Dutzende Menschen vor der Tür warten, die Notaufnahme voll ist, Angehörige seit Stunden keine Information bekommen, Pflegepersonal fehlt, Sicherheit schwach ist und Beschäftigte erschöpft sind, kann “bessere Kommunikation” allein das Problem nicht lösen [2], [10].

Die Ursachen lassen sich in mehrere Gruppen einteilen. Erstens erhöhte das Health Transformation Program den Zugang, steigerte aber auch die Nachfrage, den Leistungsdruck und die Bedeutung der Patientenzufriedenheit, wodurch Erwartungen und Vertrauen in der Arzt-Patient-Beziehung verändert wurden [2]. Die Zahl der Arztbesuche stieg von 208 Millionen im Jahr 2002 auf fast eine Milliarde im Jahr 2023 [45].

Zweitens sind Arbeitsbelastung und Zeitdruck zentral. Die Türkei hat eine niedrige Ärztedichte und eine hohe jährliche Konsultationshäufigkeit [9], [44], [45]. Sehr kurze Untersuchungszeiten, teils bis zu fünf Minuten, senken die Qualität und erschweren echte Kommunikation [2]. Drittens senkt die Wahrnehmung von Straflosigkeit die Schwelle zur Gewalt. Die Quelle berichtet, dass 2022 nur 96 von 494 Angreifern festgenommen wurden [10]. Viertens beschädigen politische und mediale Aussagen, die Gesundheitsbeschäftigte abwerten, das gesellschaftliche Vertrauen [2]. Fünftens dringt das allgemeine Gewaltklima der Gesellschaft, von digitalem Pranger bis aggressivem Alltagsverhalten, auch in Krankenhäuser ein [2].

Die Türkei im globalen Kontext

Gewalt gegen Gesundheitsbeschäftigte ist weltweit ein Problem. Daten im Zusammenhang mit WHO, ILO und ICN zeigen, dass mehr als die Hälfte der Gesundheitsbeschäftigten weltweit Gewalt am Arbeitsplatz erleben kann, wenn verbale Gewalt einbezogen wird; Schätzungen erreichen etwa 62% [8].

Die Türkei gehört jedoch zu den Ländern mit sehr hohen Raten. Die Quelle nennt für türkische Ärzte eine Lebenszeitexposition von etwa 83-84% und eine Exposition im letzten Jahr von 44,7% [10], [12]. Als internationale Beispiele werden hohe Raten bei Hausärzten in Deutschland, in Notaufnahmen in China, bei Beschäftigten in Indien und in US-Notaufnahmen genannt [10].

Besonders belastend ist der türkische Kontext, weil eine geringe Ärztedichte mit hoher Konsultationshäufigkeit zusammenfällt. In der Türkei kommen etwa 2,18 Ärzte auf 1.000 Einwohner, einer der niedrigsten Werte Europas, während die jährlichen Arztkontakte pro Person über dem OECD-Durchschnitt liegen [9], [44], [45]. Kurz gesagt: viele Patienten, viele Besuche, wenige Ärzte, wenig Zeit und hohe Erwartungen. Diese Formel erhöht das Gewaltrisiko.

Folgen für Gesundheitsbeschäftigte

Gewalt verursacht körperliche Verletzungen, doch die psychischen Folgen sind oft verbreiteter und dauerhafter. Beschäftigte können Angst, Sorge, Wut, Hilflosigkeit, Demütigung, Schuldgefühle, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, Depression, posttraumatische Symptome und Burnout entwickeln [2]. In der Studie der Lokman-Hekim-Gesundheitsstiftung berichteten 77% der Betroffenen von Anschreien, 63% von Drohungen und 58% von Erniedrigung [11].

Gewalt verändert auch berufliches Verhalten. Arbeitszufriedenheit sinkt, Bindung an die Institution wird schwächer, Fehlzeiten können zunehmen, Berufsaufgabe oder Auswanderung werden wahrscheinlicher [2], [6], [8]. Ärzte können defensive Medizin betreiben: unnötige Untersuchungen anfordern, riskante Patienten meiden oder Entscheidungen stärker unter juristischem und sicherheitsbezogenem Druck als nach klinischem Bedarf treffen [2], [25].

Auch Patienten werden geschädigt

Dies ist nicht nur ein Problem der Beschäftigten. Wenn in einer Notaufnahme Gewalt geschieht, wird die Versorgung unterbrochen. Sicherheit wird gerufen, Personal muss sich mit dem Ereignis beschäftigen, Aufmerksamkeit wird abgezogen und andere Patienten warten länger. Wenn Beschäftigte wegen Gewalt riskante Bereiche, den Beruf oder das Land verlassen, verschärft sich der Personalmangel [2], [6], [7].

Gewalt beschädigt zudem die Vertrauensbeziehung zwischen Patient und Gesundheitsberuf [2]. Ohne Vertrauen wird Medizin defensiv und mechanisch. Ein Arzt, der Gewalt fürchtet, kann schwierige Gespräche vermeiden; ein Patient, der dem System misstraut, kann stärker reagieren. Am Ende sinken Qualität, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit der Versorgung für alle.

Was muss getan werden?

Die Lösung kann keine Einzelmaßnahme sein. Metalldetektoren allein reichen nicht. Kommunikationstraining allein reicht nicht. Strafen allein reichen nicht. Kampagnen allein reichen nicht. Die Quelle fordert eine mehrschichtige Strategie.

Erstens muss der Rechtsrahmen gestärkt werden. Gewalt im Gesundheitswesen sollte mit einem umfassenden und abschreckenden rechtlichen Ansatz behandelt werden, und die Wahrnehmung von Straflosigkeit muss gebrochen werden [2]. Die Forderung der Berufsorganisationen nach einem speziellen Gesetz gegen Gewalt im Gesundheitswesen sollte ernsthaft geprüft werden [2].

Zweitens muss White Code gestärkt werden. Meldungen sollten zu transparenten, schnellen und nachvollziehbaren juristischen und institutionellen Prozessen führen [1], [16], [35]. Beschäftigte müssen wissen, dass sie nicht allein gelassen werden. Frühwarnsysteme wie Grey Code können helfen, bevor eine Situation eskaliert [36].

Drittens muss Krankenhaussicherheit risikobasiert organisiert werden. Notaufnahmen, Psychiatrie, Nachtdienste, Rettungsdienste und überfüllte Polikliniken brauchen unterschiedliche Sicherheitspläne. Geschultes Sicherheitspersonal, Kameras, Alarme, sichere Raumgestaltung, bessere Wartebereiche, klare Information, Vermeidung von Alleinarbeit und schnelle Einsatzteams sind wichtig [2], [25], [35].

Viertens muss die Systemlast reduziert werden. Primärversorgung sollte gestärkt, Personal erhöht, Untersuchungszeiten humaner und wissenschaftlich angemessener gestaltet und Leistungsdruck sowie einseitige Patientenzufriedenheitsmetriken überdacht werden [2], [9], [44], [45].

Fünftens muss die öffentliche Sprache verändert werden. Politische Sprache, Medien und Alltagssprache dürfen Gesundheitsbeschäftigte nicht abwerten oder zur Zielscheibe machen [2]. Gesundheitskompetenz muss verbessert werden. Die Gesellschaft sollte verstehen, was Triage ist, warum Wartezeiten entstehen, warum nicht jede Forderung erfüllt werden kann und warum unrechtmäßige Attest- oder Rezeptwünsche keine legitimen Gesundheitsleistungen sind [10].

Sechstens müssen Unterstützungssysteme gestärkt werden. Psychologische Hilfe, Rechtsberatung, Peer-Support, institutionelle Nachverfolgung und Nachbesprechung nach kritischen Ereignissen sollten leicht zugänglich sein [2]. “Gute Besserung, jetzt zurück zur Arbeit” ist keine akzeptable Antwort auf Trauma.

Gewalt darf nicht normal werden

Die gefährlichste Folge ist Normalisierung. Wenn eine Beleidigung gegen einen Arzt als normal gilt, wenn das Anschreien einer Pflegekraft entschuldigt wird, wenn Angriffe auf Sicherheitskräfte Routine werden und Notaufnahmeteams jede Schicht mit Angst beginnen, ist dies nicht mehr nur Arbeitssicherheit. Es ist eine Wunde im Gewissen der Gesellschaft.

Gesundheitsbeschäftigte müssen das Leid der Patienten verstehen, ja. Aber Patienten und Angehörige müssen verstehen, dass Gesundheitsbeschäftigte Menschen sind, keine grenzenlosen Maschinen. Medizinische Priorität richtet sich nach klinischer Notwendigkeit, nicht danach, wer am lautesten schreit.

Gewalt ist niemals ein Weg, Rechte einzufordern. Einen Arzt anzuschreien beschleunigt die Behandlung nicht. Eine Pflegekraft zu bedrohen verbessert die Versorgung nicht. Sicherheitskräfte anzugreifen repariert das System nicht. Es macht ein ohnehin überlastetes System nur noch fragiler.

Schlusswort

Gewalt im Gesundheitswesen in der Türkei ist nicht nur ein Arbeitsschutzproblem. Sie ist eine soziale Frage, verbunden mit der Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems, öffentlichem Vertrauen, rechtlicher Rechenschaft, Gesundheitspolitik, Krankenhausorganisation, Mediensprache und unseren gemeinsamen Erwartungen an Versorgung.

Wenn Gesundheitsbeschäftigte sich nicht sicher fühlen, sind auch Patienten langfristig nicht sicher. Gute Versorgung kann nicht unter Angst, Drohung und Druck entstehen. Sie braucht eine sichere und respektvolle Umgebung.

Um Gewalt zu reduzieren, müssen wir mit einer einfachen Wahrheit beginnen: Das Krankenhaus ist kein Ort, an dem Wut entladen wird; die Notaufnahme ist kein Raum der Rache; die Poliklinik ist kein Ort für Drohungen; der Rettungswagen ist kein Ziel; und Gesundheitsbeschäftigte sind keine Sündenböcke für gesellschaftliche Wut.

Gesundheitsbeschäftigte zu schützen bedeutet letztlich, unsere eigene Gesundheit zu schützen.

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Dr. Emre Gecer

Dr. Emre Gecer

Autor

İlgilendiğim bazı şeyler var. Sinema kuramı, senaryo mekaniği, sanat akımları, jazz müzik, finans teorisi, python, yapay zeka, makine öğrenmesi ve tıpın ilgimi çeken konuları gibi. Bunlar hakkında not düşebileceğim, düşüncelerimi paylaşabileceğim bir alan yaratmak istedim. Birazda hayatın içinden anlar, hikayeler eklerim diye düşünüyorum. Buranın zamanla gelişeceğine inanıyorum, belki de uzun vadede bambaşka bir şeye dönüşür. Neden olmasın?